Kalte Tomatensuppe. Eigentlich widerlich, aber um diese Uhrzeit und in diesem Zustand das beste, was man sich vorstellen kann.
Sie ist so betrunken, daß sie auf dem Weg in die Küche andauernd über ihre eigenen Absätze stolpert und sich vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten kann.
Sie hat letzte Nacht kein Auge zugetan. Sie hat einfach so sechs Stunden lang im Bett gelegen, geraucht und nachgedacht. Wachgeträumt.
Um sieben Uhr hat sie dann beschlossen, aufzustehen und das Leben in Angriff zu nehmen. Eine kalte Dusche, ein ausgiebiges Frühstück, der Tag konnte beginnen. Es ist lange her, daß sie unvernünftig war.
Und das nur, weil er nicht da ist. Weil er auf eine Dienstreise mußte. Und weil zufällig diese kleine blonde Studentin, die neuerdings in seiner Abteilung arbeitet, mitfahren mußte. Sie ist nicht eifersüchtig, sie kann es mit ihr nicht aufnehmen. Sie ist nur ein blondes, junges, dummes Ding, im Gegensatz zu ihr, einer reifen erfahrenen Frau.
In ihren betrunkenen Augen blitzt das Leid unzähliger Männer, sie strahlt das schmachtende Begehren tausender gestandener Kerle aus, die sich nach ihr verzehrt haben. Deren Herzen sie brach. Und die andere ist eine blonde junge Frau, eine leere Hülle, unerfahren und naiv.
Aber sie hat gekichert im Hintergrund. Sie ist sicher, daß sie es war, als er gestern abend anrief. Sie hat nichts gesagt, hat so getan, als hätte sie es nicht gehört. Sie ist eben eine erfahrene Frau und Eifersucht gehört nicht zu ihrem Leben. Ein unbekanntes Gefühl.
Sie hat es nicht nötig, sich mit ihr zu messen. Wenn er mit ihr schlafen wollte, nun gut, hoffentlich hat er es mit ihr getrieben und hat ihr gezeigt, wie Liebe mit einem reifen, einfühlsamen Mann sein kann. Und hoffentlich hat sie es genossen und verzehrt sich nach ihm.
Sie schlürft die kalte Suppe direkt aus dem Topf. Die Nylons haben eine riesige Laufmasche an der linken Wade, die ist bestimmt schon seit ein paar Stunden da. Aber sie hat sich so gut amüsiert, es ist ihr völlig egal. Unten steht noch sein Auto, er wartet darin. Er wartet darauf, daß sie ihn doch noch raufbittet. Sie wird es wohl nicht tun.
Ohne Schuhe läuft sie noch schlechter als mit den hohen Absätzen. Sie rutscht auf dem Linoleumboden der Küche aus und hält sich kichernd am Kühlschrank fest. Die Tür geht auf und das Licht blendet sie. Eine Sektflasche liegt am Boden des Kühlschrankes. Sekt, das ist genau das richtige in dieser Situation.
Sie fühlt sich jung, frei, schön. Sie möchte tanzen, singen, Bäume ausreißen. Sie entfernt die goldglänzende Folie von der Flasche und öffnet sie mit einem lauten Knall. Der Sekt schäumt über, sie hält die Flasche hoch über ihren Kopf und läßt den Schaum auf ihr Gesicht fließen. Herrlich! Sie hält das Gesicht in den feinen Strahl und streckt die Zunge heraus und leckt den Sekt aus der Luft und dreht sich und tanzt durch die Küche und tanzt ans Fenster und sieht hinaus....sein Auto steht noch immer da.
Alleine tanzen ist langweilig, sie dreht die Musik auf und drückt auf den Türöffner. Fünf Minuten drückt sie darauf, trinkt den Sekt aus der Flasche, lehnt sich gegen die Wand und preßt den Finger auf den Summer. Dann hört sie, daß die Haustür sich öffnet, verhaltene Schritte im Flur. Sie reißt die Tür auf, winkt mit der Sektflasche. Sie ist heute so herrlich unreif, so naiv, so jung. So wunderbar.
Er lächelt und kommt langsam näher. Sie wirft sich ihm in die Arme, wie sie es noch nie zuvor getan hat. Dann zieht sie ihn ins Wohnzimmer, setzt sich auf die Couch und zerrt die kaputten Nylons von den Beinen. Jetzt geht es ihr noch besser. Ihr Gesicht ist klebrig vom Sekt. Sie möchte fliegen, weit wegfliegen. Sie macht die Musik noch lauter, ihr Lieblingslied, wie herrlich. Sie tanzt allein durchs Zimmer, schwenkt dabei die Sektflasche und trinkt daraus und tanzt vor ihm, läßt ihre Hüften vor seinen bewundernden Augen kreisen. Wie alt ist er wohl? Zwanzig? Einundzwanzig? Auf jeden Fall ist er herrlich jung, wunderbar unreif und naiv. So wie sie.
Sie stellt die Flasche auf den Tisch, raucht eine Zigarette und tanzt weiter. Sie schlingt ihre nackten Beine um seine Hüften. Hat sie eigentlich irgendetwas gesagt in der letzten halben Stunde? Egal. Wer will reden, wenn er fliegen kann?
Sie nimmt seinen Kopf in beide Hände und zieht ihn an ihr Gesicht, preßt ihre vollen Lippen auf seine. Er ist wunderbar, so schüchtern, so verhalten! Seine Hände sind tolpatschig, er hat noch nicht viele Frauen berührt. Sie kichert albern und drängt ihre Zunge zwischen seine Lippen. Weich, warm, feucht. Und so süß. Der Sekt kribbelt auf ihrer Haut, ihr klebriges Gesicht preßt sie gegen die zarte jugendliche Haut. So glattrasiert! Ob er überhaupt schon Bartwuchs hat?
Sie steht wieder auf und tanzt durchs Zimmer. Zieht ihn vom Sofa und tanzt mit ihm. Preßt ihre Hüften gegen sein Becken, drängt ihr Knie zwischen seine Beine, spürt seine Erregung an ihrem Oberschenkel. Knetet sanft seine kleinen straffen Pobacken. Saugt an seinem Hals, trinkt aus seiner Schlagader, die heftig pulsiert und ganz angeschwollen ist. Er hat wunderschöne blaue Augen, weiß er das? Er schüttelt den Kopf. Sein Gesicht ist ganz rot vor Aufregung. Sie ist eine erfahrene Frau, und sie weiß, was Männer lieben.
Sie kniet vor ihm und öffnet seine Jeanshose. Er atmet schwer, er kann kaum noch gerade stehen. Seine Knie zittern, als sie seine junge Haut mit Lippen und Händen liebkost.
Als er in sie eindringt und dabei wild keucht, den Mund geöffnet, die Augen fest geschlossen, ein ungläubiges Staunen in seinem Gesicht, lacht sie laut auf. Sie vergräbt die Hände in seinen Haaren und drängt sich eng gegen ihn. Jung und leidenschaftlich, ungestüm, wild. Er hat nicht die erfahrene Ruhe eines reifen Mannes, und natürlich kommt er viel zu früh.
Es macht ihr nichts aus. In diesem Moment liebt sie ihn, weil er bei ihr ist, weil er sie begehrt, weil er sich nicht zurückhalten konnte. Sie fliegt, fliegt hoch hinaus und ist ein junges, blondes, naives Ding, das kichernd und betrunken an der Schulter eines ebenso jungen und naiven Mannes lehnt und plötzlich bittere Tränen vergießt..........
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