Die Redoute (von Faun)

Aus dem Radio klingt leise klassische Musik, späte Renaissance oder früher Barock. Eine meiner Lieblingsepochen der musikalischen Geschichte, aber ich höre im Moment kaum hin. Vor mir auf dem Wohnzimmertisch steht ein hastig eingeschenktes Glas Wein und daneben liegt der ungeordnete Haufen der heutigen Post. Immer wieder lese ich den mit schwarzer Tinte handgeschriebenen Brief.

In der heutigen Zeit der maschinell erstellten Korrespondenz ist Handgeschriebenes in jedem Fall außergewöhnlich. Zusätzlich hatte das Kuvert inmitten der üblichen Werbesendungen und Geschäftsbriefe weder Briefmarke noch Adresse. Dieser Umstand lenkte meine Aufmerksamkeit schon im Aufzug auf diesen besonderen Brief.

„Lieber Freund

Ein Kreis Gleichgesinnter trifft sich von Zeit zu Zeit, um miteinander ein Fest grenzenloser Sinnenfreude zu feiern. Kultivierte und an wahrer Erotik interessierte Personen sind als Bereicherung unserer ausgesuchten Gästeschar jederzeit willkommen. Deshalb erlauben wir uns, Sie geziemend zu unserer ‘Erotischen Redoute’, die in einigen Tagen stattfinden wird, einzuladen.

Fragen Sie nicht, wieso unsere Auswahl Sie getroffen hat. Unsere Feste basieren auf Anonymität und Diskretion. Das garantieren wir und dasselbe erwarten und fordern wir auch von unseren Gästen.

Wir wissen, daß dieser kurze Brief mehr Fragen aufwerfen als er beantworten wird. Weitere Informationen finden Sie an der unten angeführten Webadresse.

erotische Grüße, Nymphe und Faun“


Der Duktus der Schrift ist flüssig und zeigt eine selbstbewußte, persönliche Note. Was hat dieser Brief zu bedeuten, denke ich verwirrt. Die Teilnahme an einem erotischen Fest ist mein größter Wunschtraum, der meine Phantasie schon lange beschäftigt aber bisher unerfüllt blieb. Aber kann dies alles wahr sein? Ist nicht ein Scherz, der mit mir getrieben wird, wesentlich wahrscheinlicher?

Mein Interesse an Erotik, die den Rahmen des Üblichen sprengt, ist einer Reihe von Freunden bekannt, aber für mich kommt keiner für einen solchen Ulk in Betracht. Ein weiblicher Racheakt ist für mich ebenso unwahrscheinlich. Die kürzeren und längeren Affären der letzten Jahre waren beiderseits sexuell und nicht gefühlsmäßig orientiert. Jede wußte von meinem Traum. Sie akzeptierten ihn und manche fanden ihn auch sehr erregend. Aber sie hatten alle Hemmungen diese Phantasie auch Realität werden zu lassen.

Mit dem Brief in der Hand gehe ich ins Arbeitszimmer und schalte den PC ein. Ungeduldig vertippe ich mich bei der Eingabe der langen Webadresse. Endlich erscheint die angewählte Seite.

„Zum Betreten der folgenden Seiten geben Sie bitte ihr persönliches Kennwort ein. Sie finden es auf der Rückseite Ihrer Einladung.“


Hastig wende ich das Blatt und tippe die zufällige Kombination von Buchstaben und Ziffern ein. Die Seite wechselt.

„Willkommen im Reich von Nymphe und Faun.

Erotik ist ein Teil unserer menschlichen Kultur. In der klassischen Antike war diese Tatsache allgemein akzeptiert. Kultur, und mit ihr die Erotik, war Bestandteil des öffentlichen Lebens. Durch Religion und gesellschaftliche Konvention ist die Erotik in den engsten privaten Kreis zurückgedrängt worden.

Auch bei freisinnigen und aufgeschlossenen Menschen sind die Hemmungen durch Erziehung und gesellschaftliches Umfeld so stark, daß das Erleben von Erotik im klassischem Sinne schwer möglich ist. Vor allem gebildete und kultivierte Schichten sind davon betroffen, da sie besonders um ihren guten Ruf bedacht sein müssen.

Nach unserer Erfahrung bietet aber das Beachten der folgenden Regeln einen Weg, diese unnatürlichen Schranken zu überwinden. Die Grundlagen sind Anonymität und Diskretion.

1. Während der Hin- und Rückfahrt zum Ort der Redoute müssen die Augen der Gäste verbunden sein.

2. Auf dem Fest muß ständig eine Augenmaske getragen werden.

3. Es dürfen keine Namen, auch keine Vornamen, verwendet werden.

4. Nachforschungen über andere Gäste oder die Gastgeber sind untersagt.

Wenn Sie dem Obigen zustimmen und an unserer Redoute teilnehmen wollen, bitten wir Sie, dies per Email zu bestätigen.

Auf den folgenden Seiten können sie Fotos vergangener Feste betrachten, um sich auf Ihren Besuch einzustimmen.“


Aufmerksam lese ich dieses erotische Manifest und stimme in Gedanken jedem einzelnen Wort zu. Ich fühle mich in meinen Ansichten bestätigt. Es sind meine Gedanken, die hier in klare Worte gefaßt wurden.

Neugierig wähle ich die Seite mit den versprochenen Fotos an. Sie ist in der Form eines Fotoalbums gestaltet. Kleine Vorschaubilder können durch Anklicken mit der Maus in voller Größe betrachtet werden. Es sind Szenen eines Festes, in der Art früher üblichen Hausbälle. Der Unterschied liegt in den Gästen, die knappe und freizügige Dessous tragen oder sogar fast nackt sind. Aber alle tragen Masken, so wie es in den Regeln vorgeschrieben ist.

Mein Blick fällt auf die Uhr, ich bin schon fast zu spät dran. Ich habe eine Verabredung mit einer attraktiven Frau, mit der ich hin und wieder einen Abend und manchmal auch eine Nacht verbringe. Mit großer Eile dusche ich, kleide mich an und fahre, nicht immer das Tempolimit beachtend, zum verabredeten Treffpunkt.

Sie wartet schon vor dem kleinen italienischen Lokal. Mit einem Kuß auf die Wange entschuldige ich meine Verspätung. Ein kleiner Tisch in der Ecke ist für uns reserviert und wir studieren die Speisekarte. Wir entscheiden uns beide für Seezunge und Frascati. Sie ist fast vierzig und sehr attraktiv für mich. Unser Verhältnis dauert einige Monate und ist auf angeregten, kultivierten Gesprächen und gutem, wenn auch seltenem Sex begründet.

Aber heute bin ich nicht der gewohnte Gesprächspartner für sie. Immer wieder lenken mich die Einladung und die dadurch hervorgerufenen Phantasiebilder ab. Andererseits bin ich erotisch sehr erregt und will diese Nacht mit ihr verbringen. Beim Essen gelingt es mir endlich, einigermaßen meine Gedanken und Begierden auf sie zu konzentrieren. Ich vermeide jede Ablenkung und erwähne auch diese seltsame Einladung nicht.

Der Abend nimmt nun den gewohnten schönen und sinnlichen Verlauf. Wir blicken uns tief in die Augen, erfreuen uns am gegenseitigen Begehren und auf die Aussicht der gemeinsamen Nacht. Das erotische Vorspiel setzt sich auf dem Weg zu ihr nach hause fort. Im Aufzug preßt sie ihren Körper küssend gegen mich. Die Innenseite ihres angehobenen Oberschenkels reibt an meinem Bein.

In der Küche stehend trinken wir ein Glas Prosecco. Meine Hände umfassen ihren Körper, wandern über ihre Hüften nach unten und ziehen langsam ihren kurzen Rock hoch. Mit lüsternem Blick sieht sie mich an, knöpft ohne Hast mein Hemd auf und zieht es nach hinten über meine Schultern. Ich lasse es zu Boden gleiten und öffne nun meinerseits ihre Bluse, hebe ihre Brüste aus dem BH und lecke und sauge an ihren bereits steif abstehenden Brustwarzen. Die Hände setzen ihr unterbrochenes Werk fort, raffen ihren Rock nach oben, bis sie auf das nackte Fleisch über dem Strumpfabschluß treffen. An den Nippeln saugend und ihre Pobacken knetend wird mir die Hose schnell zu eng. Sie greift nach unten und befreit mein steifes Glied aus seiner mißlichen Situation.

Mit einem Ruck befreit sie sich aus meiner Umklammerung, legt ihren Oberkörper auf die Arbeitsfläche und streckt mir neckisch wippend ihr Hinterteil entgegen, über das der Rock wieder hinunter gerutscht ist. Langsam hebe ich ihn wie einen Theatervorhang, der die Bühne ihrer beiden wohlgerundeten Backen freigibt. Ich schiebe den dunkelblauen Spitzenslip zur Seite und ihre feuchte Lustgrotte liegt vor mir. Mit der Hand dirigiere ich die pralle Eichel an den Eingang sinnlicher Wonne und mit kräftigem Nachdruck verschwindet meine Erektion in diesem Tal der Lust. Mit langen, kräftigen Stößen steigere ich unsere Erregung. Mit einem heftigen Zucken ihres Körpers läßt sie sich in ihren Orgasmus fallen. Einige Momente später erreiche ich meinen Höhepunkt mit einer heftigen Ejakulation.

Befriedigt gehen wir zu Bett. Ihren Körper an den meinen kuschelnd schlummert sie bald ein. Die Gedanken an das Fest, die ich die letzten Stunden verdrängt hatte, sind wieder da und hindern mich am schlafen. Nach einer geraumen Weile erst fallen mir die Augen zu. Aber die Nacht ist unruhig für mich. Wieder liege ich müde aber hellwach nackt auf dem Rücken. In rascher Folge wechseln pornographische Szenen in meinem Kopf und bewirken eine Erleichterung fordernde Erektion. Mich diesen erotischen Wachträumen hingebend masturbiere ich. Nachdem ich mich auf diese Weise von der quälenden Anspannung befreit habe, gelingt es mir endlich einzuschlafen.

Am Morgen bin ich zwar etwas unausgeschlafen aber geistig doch hellwach. Nach einem kurzen Frühstück fahre ich nach Hause und ziehe mich um. Die Einladung läßt meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Ich muß mich immer wieder zwingen, auf den dichten morgendlichen Berufsverkehr zu achten. Ist diese Einladung ein Scherz, eine Falle oder ist sie die Erfüllung meiner Träume? Wer veranstaltet erotische Feste und warum wurde ausgerechnet ich eingeladen? Diese Fragen und fragmentarische erotische Bilder sind aus meinem Kopf durch nichts zu vertreiben. Ich will Klarheit, ich werde die Email abschicken. Absagen kann ich ja immer noch, wenn überhaupt eine Antwort kommt.

Im Büro angekommen wähle ich sofort wieder die Webseite mit der Emailadresse an. Sehe nochmals die Albumseite mit Vorschaubildern an. Ich klicke auf die angegebene Emailadresse, das übliche Mailfenster öffnet sich und ich beginne meine Antwort zu tippen:

„Sehr geehrte Nymphe, sehr geehrter Faun.

Sie werden sicher meine große Überraschung verstehen, die Ihre Einladung und die Informationen auf Ihrer Webseite bei mir hervorgerufen haben. Ich fühle mich durch Ihre Entscheidung, mich für dieses erotische Fest auszuwählen, überaus geehrt und möchte Ihnen meinen aufrichtigen Dank mitteilen. Obwohl ich keine Ahnung habe, wie Sie auf mich bei Ihrer Gästeauswahl gekommen sind, und obwohl Ihre ungewöhnliche Einladung eine nicht geringe Sinnesverwirrung bei mir ausgelöst hat, möchte ich an Ihrem Fest teilnehmen.

Mit dankbaren und freudigen Grüßen .... „


Ist das die angemessene Antwort? Zweifelnd lese ich meine Email einige Male durch. Gesellschaftliche Korrespondenz dieser Art ist neu für mich. In Geschäftsbriefen und technischen Artikeln bin ich geübter. Ich sende die Email dann kurz entschlossen ab und stürze mich in die Arbeit, auch um mich etwas von meinen erotischen Gedanken abzulenken.

Um die Mittagszeit entdecke ich unter den beruflichen Emails die erhoffte, aber nicht unbedingt erwartete Antwort:

„Wir freuen uns aufrichtig, daß Sie sich entschlossen haben, an unserer erotischen Redoute teilzunehmen. Diese Redoute findet in zwei Tagen, am Donnerstag, statt. Sie werden um 20:30 Uhr vor dem Hotel Krone, Bäckerstraße 5, von einem Wagen mit Chauffeur abgeholt werden. Sie werden sich dem Fahrer mit der Parole ‘Redoute’ zu erkennen geben. Im Wagen werden sie aufgefordert werden, die bereitliegende Augenbinde zu verwenden. Dieser Anordnung müssen Sie unbedingt Folge leisten, ebenso bei der Rückfahrt.

Wir garantieren und erwarten absolute Diskretion und Anonymität. Deshalb sind unsere vier Regeln auf jeden Fall einzuhalten - Augenbinde während der Fahrt, Maske bei der Redoute, das Verbot Namen, selbst Vornamen, zu verwenden und keine Nachforschungen.

erotische Grüße, Nymphe und Faun“


Es ist also doch wahr. Obwohl ich noch immer nicht restlos überzeugt bin. Es bleiben Zweifel, ob es sich nicht doch um einen besonders raffinierten und aufwendigen Scherz handelt. Nach kurzem Überlegen entschließe ich mich mitzuspielen, egal ob es ein Scherz oder ein wahr gewordener Traum ist. Auto mit Chauffeur wird ja doch zuviel Aufwand für einen Schabernack sein.

Der Nachmittag ist mit lustloser und unkonzentrierter Arbeit und den Vorbereitungen für die Redoute ausgefüllt. Im Internet suche ich Adressen von Maskenverleihern und wähle zwei günstig gelegene aus. Die Maske werde ich erst morgen besorgen, die sollte kein Problem sein und zum Kostüm soll sie ja auch passen.

Den Abend verbringe ich allein mit Musik und einigen Gläsern Wein. Mein Leben wird nun schon einen ganzen Tag von dieser Einladung bestimmt. Wohlige Erwartungen und nagende Zweifel am Wahrheitsgehalt bereiten mir ein Wechselbad der Gefühle.


Fauns Erotikon

Die Redoute (von Faun)
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