Diese Nacht habe ich wesentlich besser geschlafen als die Nacht davor.
Meine Gedanken beim Einschlafen und beim Aufwachen waren zwar von der morgigen
Redoute beherrscht, aber auf herrlich angenehme Weise. Im Büro ist
derzeit nicht übermäßig viel los und ich kann mir in Ruhe
mein Kostüm überlegen.
Mein Körper ist sehr schlank, unbehaarte Brust, trotz meines Alters
fast knabenhaft. Lustknabe, sagen Frauen, nach sinnlichen Liebesspielen,
zu mir. Früher in meiner Jugend war ich unzufrieden mit meinem Körper,
habe ihn mir muskulöser gewünscht. Konnte mich aber nie dazu
aufraffen, Bodybuilding zu betreiben. Im Lauf der Zeit habe ich aber erfahren,
daß eben so ein schlanker, straffer Körper für Frauen sehr
sinnlich und erotisch ist.
Es ist sicher eine gute Idee, meinen knabenhaften Körpertypus zu
unterstreichen, statt ihn durch ein Kostüm zu verwandeln. Was auch
bei der vorgesehenen Knappheit der Kleidung auf gewisse Schwierigkeiten
stoßen würde. Es ist ja eine erotische Redoute und die Bildbeispiele
der Webseite lassen da auch keinen Zweifel aufkommen. Deshalb entscheide
ich mich für ein Gilet, ja ich werde das schwarze, glänzende
Gilet meines Anzugs nehmen.
Ob ich unten nackt gehen soll? Auf den Bildern sind alle Männer
unten nackt, wie ich nochmals überprüfe. Aber die Fotos dürften
alle in einem fortgeschrittenen Stadium des Festes aufgenommen worden sein.
Nebenbei bemerke ich erfreut, daß die Frauen ebenfalls alle unten
nackt sind, was mir wieder eine angenehme Erektion verschafft. Es ist normal.
daß ich während des Tages einige Erektionen habe, bei den verschiedensten
Gelegenheiten - dem Anblick einer attraktiven Frau, einer neuen erotischen
Idee, dem Denken an den vergangenen Abend, der Vorfreude auf den kommenden
Abend. Aber die Häufigkeit ist doch bemerkenswert, seit ich diese
Einladung erhalten habe.
Soll ich zu Beginn einen Slip anziehen, die Frage ist für mich
noch nicht entschieden. Boxer-Shorts scheiden aus, die passen nicht zum
engen Gilet. Ich werde einfach einen Slip mitnehmen. Ob ich ihn anziehe
oder weglasse kann ich an Ort und Stelle entscheiden.
Ich verlasse das Büro bald nach Mittag und fahre zum ersten Kostümverleih.
Zwei kleine Auslagen mit exquisiten Kostümen gehobener Qualität
geben mir das Vertrauen, hier die richtige, dem Anlaß entsprechende
Maske zu erhalten. Sie muß zum schwarzen Gilet passen. Bequem soll
sie sein, schließlich darf ich sie nicht abnehmen und werde sie einige
Stunden tragen müssen.
Die Einrichtung ist altmodisch, Regale mit beschrifteten Kartons, gedämpftes
Licht. Eine Frau mittleren Alters fragt nach meinen Wünschen. Sie
holt zwei Kartons vom Regal, öffnet sie und legt eine Auswahl von
Gesichtsmasken auf den Ladentisch. Ich suche ein paar mir zusagende Masken
aus, probiere sie und betrachte mich im Spiegel. Die Entscheidung ist leicht,
eine Maske vereint Eleganz und bequeme Paßform.
Wieder auf der Straße, sehe ich etwas entfernt auf der anderen
Seite ein Wäschegeschäft. Ich kaufe dort einen knappen, schwarzen,
leicht glänzenden Slip. Die Einkäufe waren rascher erledigt als
ich geplant hatte. Das Wetter ist warm und sonnig und ich setze ich mich
in ein nahes Straßencafe.
Während ich gemütlich in der Sonne sitze, am Tonic nippe,
den vorübergehenden Frauen durch die Sonnenbrille nachsehe, freue
ich mich auf den morgigen Abend. Plötzlich wird die Freude durch einen
neuen Gedanken gestört. Die Situation wird für mich vollkommen
neu sein. Wie reagiere ich, wie reagiert mein Penis? Werde ich eine Erektion
bekommen? Ich hatte beim ersten Mal mit einer neuen Frau in dieser Richtung
nie Probleme. Es ist selten vorgekommen, daß er versagt hat. Aber
beim ersten Mal hat er immer seinen Mann gestanden, denke ich stolz zurück.
Außerdem ist die Gefahr größer, wenn ich ständig
an die Möglichkeit des Versagens denke.
Positiv denken, sage ich mir. Aber sofort schwenken meine Gedanken in
die entgegengesetzte Richtung - was ist, wenn ich durch die neuen Reize
zu früh komme? Dieses Problem ist im Grunde für mich längst
vorbei, das war in der Jugend. Da war es zwar manchmal lästig, aber
ich konnte damals eben mehrmals hintereinander. Das hat sich im Lauf der
Jahre gewandelt. Ich komme nun zwar Großteils erst nach der Frau,
von zu früh also keine Rede. Aber ich benötige in meinem Alter
eben eine längere Erholungsphase, bis „er“ zu neuen Taten bereit ist.
Was soll’s, ich kann es nicht ändern, tröste ich mich. Realistisch
betrachtet, werde ich eine Erektion haben, ich werde nicht zu früh
kommen und der sexuelle Reiz wird so stark sein, daß ein zweiter
oder dritter Fick am Abend drin sein wird. Und wozu habe ich denn Zunge
und Hände, denke ich nun wieder vergnügt und voller Hoffnung.
Die Kommunikation zwischen Hirn und Penis ist auch noch intakt, stelle
ich zufrieden fest und versuche ohne Aufsehen meine Erektion aus ihrer
zwischen den Falten der Hose eingeklemmten Lage zu befreien.
Am Abend gehe ich zeitig zu Bett. Ich will lange schlafen, Kräfte
sammeln für den morgigen Abend. Ganz sind meine Potenzängste
doch nicht verschwunden. Ich wähle ein besonders langweilig geschriebenes
Buch und lese.
Der Trick mit dem Buch hat gewirkt. Am Morgen erwache ich ausgeschlafen,
gut gelaunt und mit meiner üblichen Erektion. Die Bilder in meinem
Kopf lassen erahnen, daß ich wohl die ganze Nacht vom heutigen Abend
geträumt habe. Ich kann mich fast nie an Träume erinnern und
nehme diese Tatsache auch gleichgültig hin. Aber heute hätte
ich zu gern gewußt, wie dieser Traum im Detail war.
Im Büro arbeite ich routiniert aber unkonzentriert. Ich denke häufig
an erotische Dinge, aber heute ist es zum Dauerzustand geworden. Auch körperlich
dokumentiert eine Dauererektion, die nur selten etwas nachläßt,
meinen Gemütszustand. Heute abend brauche einen Ständer, nicht
hier im Büro.
Wie wird das Fest beginnen? Stehen die Gäste wie bei einer Cocktailparty
zu Beginn steif herum? Steif ist gut, das ist ja der Sinn des Abends, amüsiere
ich mich. Wird zuerst Smalltalk gemacht oder kommt man direkt zur Sache?
Das Bild entbehrt nicht einer gewissen Komik. Frauen in freizügigen,
aufreizenden Dessous und halbnackte Männer plaudern erst belanglos
übers Wetter. Es wird gescherzt, zugetrunken und die Stimmung wird
sinnlicher. Dann fragt der Mann mit einer korrekten Verbeugung die Dame:
„Darf ich um diesen Fick bitten“.
Zufrieden, daß mein Humor mich nicht verlassen hat, beschließe
ich die Frage an Ort und Stelle zu lösen. Einige Telefonanrufe und
eine Besprechung mit Mitarbeitern lenken mich ab und lassen den Bürotag
erträglich zu Ende gehen.
Zuhause esse ich langsam Spaghetti al’Pomodoro. Noch drei Stunden bis
ich aus dem Haus muß. Nach dem Essen dusche ich ausgiebig. Kontrolliere
im Spiegel meinen nackten Körper von allen Seiten. Stutze mit der
Schere meine sowieso schon kurzen Schamhaare. Rasiere mich sorgfältig.
Soll ich ein Parfum nehmen, überlege ich, entscheide aber doch nur
mein übliches Rasierwasser zu verwenden.
Als ich mit allen Vorbereitungen fertig bin, bleibt immer noch eine
Stunde bis zu meiner Abfahrt. Ich suche nach einer, zu meiner Stimmung
passenden CD und versuche die Musik zu genießen. Ein Glas Wein wäre
jetzt gut, aber ich will wenig Alkohol trinken. Frauen haben es da besser.
Bei mir steigt durch Alkohol zwar das Verlangen, aber gleichzeitig sinkt
die Potenz.
Langsam kleide ich mich an. Das Gilet, die Maske und den schwarzen Slip
packe ich in einen flachen Karton. Telefonisch bestelle ich ein Taxi und
fahre zum vereinbarten Treffpunkt.