Sklave (von Alexandra)



Du sitzt vor mir, siehst mich an mit Deinen traurigen braunen Augen. Und ich frage mich, was Du eigentlich von mir willst.

Wir kennen uns schon lange, und es ist mir nie aufgefallen, wie sehr Du mich wirklich brauchst. Vielleicht wollte ich nicht, daß es mir auffällt.

Der Gedanke, daß Du ohne mich nichts bist, daß Du ohne mich einsam und verloren sein wirst, macht mich wütend. Ich möchte unabhängig sein, möchte frei sein, ohne Dich. Ich möchte Dich verlassen können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Ich möchte fortgehen können, Dich allein lassen können, ohne an Dich denken zu müssen.

Doch Du siehst mich an, und Deine Augen sagen: "Bitte, bleib. Geh nicht fort." Und ich kann ihnen nicht widerstehen. Also bleibe ich bei Dir.

Bleibe neben Dir sitzen und lausche Deiner Stimme, Deinen Worten. Bleibe einfach hier und versuche, nicht an Dich zu denken. Der Gedanke an Deine Hilflosigkeit macht mich betroffen.

Du kommst plötzlich näher, preßt Deinen Oberschenkel gegen meinen. Deine Hand fährt meinen Rücken entlang, flehend, bittend. So erniedrigend.

Ich weiche vorsichtig von Dir, will Dich nicht verletzen. Aber ich ertrage Deine Berührungen einfach nicht....

Die Unterhaltung wird langweilig, alles ist schon gesagt worden. Ich entdecke nichts Neues mehr an Dir. Du bist zu vertraut, zu bekannt geworden. Du hast keine Geheimnisse mehr, die ich lüften könnte. Ich kenne jede Deiner Bewegungen, weiß genau, wie sich Dein Atem anhört, wenn Du wach bist oder wenn Du schläfst. Ich weiß, was Du gleich sagen wirst. Ich kann Deine Gedanken lesen.

Du sitzt da und langweilst mich, und ich kann Dich nicht einfach ignorieren. Ich wünschte Dich weit fort, doch wenn Du nicht da bist, spüre ich Deine Anwesenheit. Du weißt so vieles von mir, ich brauche Dir nichts mehr zu sagen, Du liest meine Gedanken. Das macht mir Angst. Ich komme heim, Du siehst mich an, und Du weißt, wie ich mich fühle. Du tust immer das richtige. Wir streiten nie, weil wir keinen Grund haben uns zu streiten. Wir sind immer einer Meinung. Du teilst meinen Geschmack, Du hörst meine Musik, Du liest meine Bücher. Aber ich höre und lese nichts von Dir. Du hast nichts eigenes mehr, hast Dich zu sehr angepaßt. Sogar meine Launen teilst Du. Du weißt genau, wann ich lachen und wann ich weinen möchte. Und lachst oder weinst mit mir. Ich ertrage Deine Nähe nicht, sie erdrückt mich. Wenn Du neben mir liegst, fühle ich Deine Wärme, Deinen Körper. Und möchte allein sein. Ganz allein.

Du gehörst mir. Du kannst ohne mich nicht leben. Und die Verantwortung will ich nicht tragen. Ich möchte einfach leben, mit oder ohne Dich, wie ich will. Aber ich kann es nicht. Ich kann Dich nicht verlassen, weil Du untergehen würdest. Du hast kein eigenes Leben. Du kennst meine Freunde, meine Familie, mein ganzes Leben teilst Du mit mir. Und das ist mir zu viel. Ich bin ein eigener Mensch, ich will keine Kopie von mir am Tisch sehen müssen. Ich will einen eigenen Charakter, eine eigene Persönlichkeit. Doch die hast Du verloren. In mir.

Du stehst auf. Ich weiß genau, wo Du hingehst. Ich ahne jeden Deiner Schritte. Ich höre Deine Worte, bevor sie gesprochen sind. Ich rieche Deinen Schweiß, bevor er geflossen ist. Und ich möchte überrascht werden. Etwas Neues entdecken. Ich warte so lange darauf, aber es passiert nichts......

Du kommst zurück, setzt Dich auf den Boden, vor meine Füße. Siehst zu mir auf, mit großen treuen Augen. Lächelst mich an. Dein Lächeln sagt: "Bitte, tu mir nicht weh." Ich lehne mich zurück und sehe aus dem Fenster. Du siehst mich immer noch an, daß kann ich im Augenwinkel erkennen. Deine Hand fährt vorsichtig, ganz sacht meinen Schenkel entlang. Ich zucke zurück, will Deine Berührungen nicht. Du legst die Lippen gegen meinen Knöchel, ich spüre Deine Feuchtigkeit an meiner Haut. Ich ziehe das Bein zu mir, von Dir fort, und Du siehst mich fragend an.

Ich möchte Dir so gerne sagen, was ich fühle, aber ich habe Angst. Angst vor Deiner Reaktion. Ich schweige und versuche, Dich anzulächeln. Deine Hand streicht weiter über meinen Schenkel, Dein Mund liebkost meinen Fuß. Ich weigere mich nicht mehr, überlasse Dir meinen Körper. Fühle Deine Küsse, Deine Hände überall. Und ich weiß genau, was Du gleich tun wirst. Kenne jede Deiner Bewegungen. Ich strecke die Beine aus, lasse Dich zwischen meine Schenkel gleiten und ertrage Deine Berührungen, Deine Küsse. Sehe in Deine Augen und erdulde Deine Liebe. Stumm und kalt liege ich da, erwidere Deine Küsse und streichle zärtlich über Deinen Rücken. Ich kenne jede Stelle Deines Körpers, jedes kleine Haar entdecke ich wieder. Ich höre Dein Atmen, Deine Geräusche, und ich kenne sie. Deine Bewegungen werden schneller, Deine Stöße heftiger. Ich umklammere Deinen Körper und schlinge die Beine um Deine Hüften. Presse meine Hüften gegen Dein Becken und warte auf den Moment.....der gleich kommen wird.

Deine Zähne nagen sacht an meinem Hals, Deine Hände durchwühlen mein Haar, streicheln mich. Und dann höre ich das Geräusch, das ich so gut kenne, und löse die Beine von Dir. Du ziehst Dich aus mir zurück, küßt mich, liegst neben mir und siehst mich an. Lächelst und ziehst die Linien meiner Lippen mit Deinen Fingern nach. Ich schließe die Augen und versuche, zu vergessen. Zu vergessen, daß ich Dich einfach schon so lange kenne....




Geschichte verschicken

Sklave (von Alexandra)
Impressum Gästebuch